9. September – Tag alkoholgeschädigter Kinder

Der Tag alkoholgeschädigter Kinder findet jedes Jahr am 9. September statt. Die Initiatoren wählten dieses Datum bewusst: Der neunte Tag des neunten Monats steht symbolisch für die neun Monate einer Schwangerschaft. Seit 1999 setzt dieser internationale Aktionstag ein klares Zeichen. Er rückt ins Bewusstsein, dass Alkohol in der Schwangerschaft das ungeborene Kind schädigen kann – und dass diese Folgen ein Leben lang bestehen bleiben.

Hintergrund: Wie entstand der Tag alkoholgeschädigter Kinder?

Der Aktionstag geht auf das Jahr 1999 zurück. Eltern und Pflegeeltern alkoholgeschädigter Kinder aus verschiedenen Ländern erklärten den 9.9.1999 erstmals zum internationalen Gedenktag. In Deutschland trug die Organisation FASD Deutschland e.V. zur Bekanntmachung und Verbreitung des Tages bei. Heute nutzen Gesundheitsbehörden, Fachorganisationen und Betroffenenverbände weltweit diesen Anlass für Aufklärungsarbeit. Informationsveranstaltungen, Workshops und Kampagnen machen auf ein Problem aufmerksam, das in der Öffentlichkeit oft stark unterschätzt wird.

Was bedeutet FASD – Fetale Alkoholspektrumstörung?

FASD steht für Fetale Alkoholspektrumstörungen (englisch: Fetal Alcohol Spectrum Disorders). Der Begriff fasst alle vorgeburtlichen Schädigungen zusammen, die durch den Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft entstehen. Fachleute bezeichnen FASD als häufigste nicht-genetisch bedingte angeborene Behinderung überhaupt. Das Spektrum umfasst drei Störungsbilder:

  • Fetales Alkoholsyndrom (FAS): Das Vollbild der Störung. Typische Merkmale sind Wachstumsverzögerungen, charakteristische Gesichtsfehlbildungen und Schäden am zentralen Nervensystem.
  • Partielles Fetales Alkoholsyndrom (pFAS): Nicht alle FAS-Merkmale treten auf, aber Nervenschäden und Verhaltensauffälligkeiten sind vorhanden.
  • Alkoholbedingte Entwicklungsneurologische Störung (ARND): Nervensystemschäden ohne die typischen äußerlichen Gesichtsmerkmale des FAS.

Zahlen und Fakten: Wie viele Kinder sind betroffen?

Die Zahlen sind erschreckend. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kommen in Deutschland jedes Jahr rund 10.000 Kinder mit FASD zur Welt. Rechnerisch entspricht das mindestens einer betroffenen Geburt pro Stunde. Etwa 3.000 dieser Kinder zeigen das Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS). FASD tritt damit in Deutschland häufiger auf als das Down-Syndrom. Den meisten Betroffenen sieht man ihre Schädigung äußerlich nicht an. Das erschwert die Diagnose erheblich. Viele Kinder bekommen deshalb zu spät oder gar keine passende Unterstützung.

Welche Folgen hat Alkohol in der Schwangerschaft?

Alkohol ist ein Zellgift. Er überwindet die Plazentaschranke und erreicht das Ungeborene direkt. Die kindliche Leber kann Alkohol noch nicht abbauen. Deshalb verbleibt er länger im kindlichen Blut als im mütterlichen. Die möglichen Folgen für das Kind sind weitreichend:

  • Wachstumsverzögerungen vor und nach der Geburt
  • Gesichtsfehlbildungen wie schmale Lidspalten oder eine flache Nasenbrücke
  • Schäden am zentralen Nervensystem
  • Lernschwierigkeiten und Gedächtnisprobleme
  • Aufmerksamkeits- und Impulskontrollstörungen
  • Emotionale Instabilität und Schwierigkeiten im sozialen Umgang

Diese Beeinträchtigungen sind nicht heilbar. Betroffene Menschen brauchen oft ihr ganzes Leben lang Unterstützung. Ohne frühe Diagnose geraten Erwachsene mit FASD überproportional häufig in soziale Notlagen.

Kein sicherer Grenzwert – was werdende Mütter wissen sollten

Viele Frauen gehen davon aus, ein gelegentliches Glas Wein in der Schwangerschaft sei harmlos. Die Wissenschaft widerspricht dem eindeutig: Einen sicheren Grenzwert für Alkohol in der Schwangerschaft gibt es nicht. Auch geringe Mengen können das Ungeborene schädigen. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und die BZgA empfehlen deshalb: null Alkohol während der gesamten Schwangerschaft. FASD lässt sich zu 100 Prozent verhindern. Kein anderes angeborenes Schädigungsbild dieser Art ist so klar vermeidbar.

Engagement und Aufklärung am Tag alkoholgeschädigter Kinder

Der Aktionstag lebt von Aufmerksamkeit und gesellschaftlichem Engagement. Wer sich einsetzen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten:

  • Informiere dich über FASD und teile dein Wissen im Freundes- und Familienkreis.
  • Unterstütze Organisationen wie FASD Deutschland e.V. oder das FASD-Fachzentrum Hamburg.
  • Sprich das Thema sensibel an – ohne Schuldzuweisungen, aber mit klaren Informationen.
  • Teile Aufklärungsmaterial in sozialen Netzwerken und erhöhe so die Reichweite.

Wer betroffene Familien unterstützen möchte, findet bei regionalen FASD-Beratungsstellen konkrete Hilfe. Frühe Förderung und eine rechtzeitige Diagnose verbessern die Lebensqualität der Betroffenen erheblich.

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