Jedes Jahr am zweiten Sonntag im September steht ein besonderer Gedenktag im Kalender: der Tag der Erinnerung und Mahnung. Er erinnert an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus und verbindet historisches Gedenken mit einem klaren Aufruf zur Wachsamkeit in der Gegenwart. Je nach Jahreskalender fällt dieser Tag auf unterschiedliche Daten – so zum Beispiel auf den 8. September 2024 oder den 13. September 2026.
Ursprung: Ein Gedenktag mit langer Geschichte
Die Wurzeln des Tages der Erinnerung und Mahnung reichen bis in das Jahr 1945 zurück. Am 9. September 1945 – nur wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs – versammelten sich Überlebende der Konzentrationslager und Zuchthäuser gemeinsam mit rund 100.000 Berliner Bürgerinnen und Bürgern. Ihr Ziel: öffentlich der Opfer des Faschismus zu gedenken und die Losung „Die Toten mahnen die Lebenden“ in die Gesellschaft zu tragen. 30 Demonstrationszüge zogen durch die Stadt zum Ehrenmal im Neuköllner Stadion.
Im Jahr 1947 beschloss die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), diesen Gedenktag dauerhaft am zweiten Sonntag im September zu begehen. Der sogenannte OdF-Gedenktag – kurz für „Opfer des Faschismus“ – war damit als feste Tradition verankert. Während des Kalten Krieges erlebte er eine gespaltene Entwicklung: In der DDR fand er staatliche Anerkennung, in der Bundesrepublik war er zeitweise verboten. Seit 1990 führt die VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) den Tag als „Tag der Erinnerung und Mahnung“ weiter.
Wen erinnert der Tag der Erinnerung und Mahnung?
Der Tag der Erinnerung und Mahnung gilt allen Menschen, die unter dem NS-Regime verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Dazu gehören:
- Jüdinnen und Juden, die Opfer des Holocaust wurden
- Sinti und Roma, die im NS-Völkermord ermordet wurden
- Politische Gegner, Widerstandskämpfer und Gewerkschafter
- Homosexuelle Männer und Frauen, die verfolgt wurden
- Menschen mit Behinderungen, die dem NS-„Euthanasie“-Programm zum Opfer fielen
- Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus ganz Europa
Die Vielfalt der Opfergruppen macht deutlich: Der Nationalsozialismus richtete sich gegen alle, die nicht in sein Weltbild passten. Der Tag der Erinnerung und Mahnung trägt dazu bei, diese Vielschichtigkeit im kollektiven Gedächtnis zu bewahren.
Wie wird der Tag der Erinnerung und Mahnung begangen?
Heute organisiert die VVN-BdA den Tag der Erinnerung und Mahnung vor allem in Berlin – mit Gedenkkundgebungen, antifaschistischen Fahrradkorsos, Ausstellungen und Diskussionsrunden. Teilnehmende besuchen Gedenkstätten, hören Zeitzeugenberichte und setzen öffentliche Zeichen gegen Rassismus, Neonazismus und Krieg. Auch in anderen deutschen Städten finden Veranstaltungen statt. Der Tag richtet sich nicht nur an die Vergangenheit, sondern auch an aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen.
Warum ist der Tag der Erinnerung und Mahnung heute noch wichtig?
Der Name des Gedenktages trägt sein Anliegen bereits im Titel: Erinnerung allein genügt nicht – es braucht auch Mahnung. Angesichts des Erstarkens rechtsextremer Bewegungen und Parteien in Deutschland und Europa gewinnt dieser Tag neue Aktualität. Die Organisatoren sehen ihn als Plattform, um Haltung zu zeigen: gegen Vergessen, gegen Diskriminierung und gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit.
Wer am Tag der Erinnerung und Mahnung aktiv werden möchte, kann Gedenkstätten besuchen, sich über die NS-Geschichte informieren, an lokalen Veranstaltungen teilnehmen oder Organisationen unterstützen, die sich für Erinnerungskultur einsetzen.