Nuklearwaffen gehören zu den gefährlichsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte. Der Internationale Tag gegen Nuklearversuche findet jährlich am 29. August statt. Er ruft Regierungen, Organisationen und Menschen weltweit auf, Atomtests zu ächten. Denn Nuklearversuche bedrohen Gesundheit, Umwelt und den Weltfrieden gleichermaßen.
Geschichte: Warum gerade der 29. August?
Das Datum ist kein Zufall. Der 29. August 1991 markiert die offizielle Schließung des Atomtestgeländes Semipalatinsk in Kasachstan – eines der größten Nukleartestgelände der Welt. Dort führte die Sowjetunion zwischen 1949 und 1989 insgesamt 456 Atomtests durch. Hunderttausende Menschen litten daher jahrzehntelang unter den Folgen der Strahlung.
Kasachstan initiierte deshalb die internationale Anerkennung dieses Datums. Am 2. Dezember 2009 verabschiedete die 64. Sitzung der UN-Generalversammlung einstimmig die Resolution 64/35. Diese Resolution erklärte den 29. August zum Internationalen Tag gegen Nuklearversuche. Zudem betonte sie, dass jede Anstrengung unternommen werden müsse, um Nuklearversuche zu beenden. Die erste offizielle Begehung fand am 29. August 2010 statt.
Warum sind Nuklearversuche so gefährlich?
Nuklearversuche setzen große Mengen radioaktiver Strahlung frei. Diese Strahlung schadet Menschen, Tieren und der Umwelt oft über Generationen hinweg. Die gesundheitlichen Folgen sind gravierend:
- Erhöhtes Krebsrisiko – besonders Schilddrüsen- und Leukämieerkrankungen
- Genetische Schäden, die auf Kinder und Enkel übergehen können
- Akutes Strahlungssyndrom bei hoher Exposition
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei jahrelanger Belastung
Auch die Umwelt leidet stark. Radioaktiver Fallout verseucht Böden, Gewässer und die Luft. Manche Testgelände sind noch Jahrzehnte nach dem letzten Test stark kontaminiert. Darüber hinaus erzeugen Nuklearversuche geopolitische Spannungen. Sie treiben Rüstungswettläufe an und gefährden dabei die globale Sicherheit.
Seit 1945 fanden weltweit schätzungsweise fast 2.000 Nukleartests statt. Allein in den USA verursachte radioaktiver Fallout zwischen 1951 und 1973 Schätzungen zufolge Hunderttausende Todesfälle durch Strahlenexposition.
Der Atomwaffenteststopp-Vertrag (CTBT)
Das wichtigste internationale Instrument gegen Nuklearversuche ist der Atomwaffenteststopp-Vertrag – englisch: Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty (CTBT). Die UN-Generalversammlung verabschiedete ihn am 10. September 1996. Seitdem haben 187 Staaten den Vertrag unterzeichnet, und 178 Staaten haben ihn ratifiziert.
Dennoch ist der CTBT bis heute nicht in Kraft getreten. Denn der Vertrag tritt erst dann in Kraft, wenn alle Staaten mit bedeutenden Nuklearkapazitäten ihn ratifizieren. Bislang fehlen mehrere wichtige Unterzeichner, darunter die USA, China, Indien, Pakistan und Nordkorea. Nordkorea gilt derzeit als einziges Land, das noch aktiv Nukleartests durchführt.
Neben dem CTBT gibt es seit Januar 2021 auch den Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW). Er verbietet Entwicklung, Test, Produktion und Einsatz von Nuklearwaffen vollständig. Allerdings haben die Atommächte diesen Vertrag bislang nicht unterzeichnet.
Internationaler Tag gegen Nuklearversuche: Aktionen und Engagement
Der Internationale Tag gegen Nuklearversuche bringt jedes Jahr Menschen weltweit zusammen. Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und die Zivilgesellschaft organisieren vielfältige Aktionen:
- Symposien, Konferenzen und Podiumsdiskussionen
- Ausstellungen zu den Folgen von Atomtests
- Bildungsveranstaltungen an Schulen und Universitäten
- Medienberichte und Online-Kampagnen
- Petitionen für die Ratifizierung des CTBT
Besonders aktiv ist dabei die CTBTO – die Vorbereitungskommission für das CTBT-Organ in Wien. Sie koordiniert internationale Gedenkveranstaltungen. Auch die UN-Abrüstungsabteilung (UNODA) und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) beteiligen sich regelmäßig.
Was kann jeder Einzelne tun?
Engagement ist möglich – auch ohne politischen Einfluss. Jeder kann den Tag nutzen, um sich zu informieren und andere aufzuklären. Das Projekt ATOM (Abolish Testing Our Mission) aus Kasachstan sammelt beispielsweise online Unterschriften für ein weltweites Atomtestverbot. Darüber hinaus helfen Social-Media-Beiträge mit den Hashtags #EndNuclearTesting oder #IDANT, die Botschaft zu verbreiten. Denn Bewusstsein ist der erste Schritt zu echtem Wandel.