22. Mai – Tag der Artenvielfalt

Am 22. Mai begeht die Welt den Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt – offiziell ausgerufen von den Vereinten Nationen. Das Datum ist bewusst gewählt: An diesem Tag wurde 1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) zur Unterzeichnung aufgelegt, ein Meilenstein im globalen Naturschutz. Seit dem Jahr 2000 wird der 22. Mai weltweit als Aktionstag begangen, um das Bewusstsein für die dramatisch schwindende Artenvielfalt auf unserem Planeten zu schärfen.

Was bedeutet Artenvielfalt?

Unter Biologischer Vielfalt – kurz Biodiversität – versteht man weit mehr als nur die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten. Der Begriff umfasst drei Ebenen: die genetische Vielfalt innerhalb einer Art, die Artenvielfalt zwischen verschiedenen Organismen sowie die Ökosystemvielfalt, also die Bandbreite unterschiedlicher Lebensräume wie Wälder, Korallenriffe, Feuchtgebiete und Steppen. Alle drei Ebenen sind untrennbar miteinander verbunden – fällt eine weg, gerät das gesamte Gefüge ins Wanken.

Wissenschaftler schätzen, dass es auf der Erde insgesamt rund 8 Millionen Arten gibt – beschrieben und katalogisiert sind bislang jedoch nur etwa 2 Millionen. Die übrigen sechs Millionen warten noch auf ihre Entdeckung, viele davon in tropischen Regenwäldern oder in der Tiefsee.

Warum ist Artenvielfalt so wichtig?

Biologische Vielfalt ist keine abstrakte Naturschönheit – sie ist die Grundlage unserer Lebensgrundlagen. Bienen und andere Insekten bestäuben rund 75 % unserer Nutzpflanzen. Intakte Böden mit einer reichen Mikroorganismengemeinschaft produzieren fruchtbare Erde für die Landwirtschaft. Mangroven und Küstenriffe schützen Millionen Menschen vor Sturmfluten. Viele der heute eingesetzten Medikamente basieren auf Wirkstoffen, die ursprünglich aus Pflanzen oder Tieren gewonnen wurden. Artenvielfalt ist damit direkt mit Ernährungssicherheit, menschlicher Gesundheit und wirtschaftlicher Stabilität verknüpft.

Der Verlust der Artenvielfalt – ein globaler Notstand

Der Rückgang der Biodiversität schreitet in einem alarmierenden Tempo voran. Laut dem Weltbiodiversitätsrat (IPBES) sind derzeit rund eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht – so viele wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Das aktuelle Artensterben verläuft schätzungsweise 100- bis 1.000-mal schneller als der natürliche Hintergrundverlust, den die Erde ohne menschlichen Einfluss verzeichnen würde. Die Hauptursachen sind Lebensraumzerstörung durch Landwirtschaft und Bebauung, Übernutzung von Ressourcen, Umweltverschmutzung, invasive Arten sowie der voranschreitende Klimawandel.

Deutschland ist von diesem Trend nicht ausgenommen: Laut Bundesamt für Naturschutz gilt rund ein Drittel der heimischen Tier- und Pflanzenarten als gefährdet. Besonders betroffen sind Insekten, Amphibien und Vögel der Agrarlandschaft.

Was kannst du am Tag der Artenvielfalt tun?

Der 22. Mai ist ein Anlass, nicht nur nachzudenken, sondern aktiv zu werden. Schon kleine Veränderungen im Alltag können einen Unterschied machen:

  • Garten naturnah gestalten: Heimische Wildpflanzen, Totholzhaufen und Insektenhotels bieten Lebensraum für viele Arten.
  • Regional und saisonal einkaufen: Kurze Transportwege und ökologische Anbaumethoden schonen Böden und Artenvielfalt.
  • Naturschutzorganisationen unterstützen: NABU, BUND und WWF Deutschland engagieren sich aktiv für den Erhalt heimischer und weltweiter Biodiversität.
  • Bewusstsein weitergeben: Mit Kindern, Freunden oder in der Schule über Artenvielfalt sprechen – Wissen ist der erste Schritt zum Handeln.
  • Citizen Science betreiben: Apps wie iNaturalist ermöglichen es jedem, Tier- und Pflanzenbeobachtungen zu melden und so die wissenschaftliche Forschung zu unterstützen.

Internationales Engagement und die UN-Biodiversitätsziele

Auf internationaler Ebene haben sich die UN-Mitgliedsstaaten im Jahr 2022 beim UN-Biodiversitätsgipfel (COP15) in Montreal auf ein wegweisendes Abkommen geeinigt: das sogenannte „30×30-Ziel“. Es sieht vor, bis zum Jahr 2030 mindestens 30 % der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Darüber hinaus soll der Einsatz schädlicher Pestizide bis 2030 um die Hälfte reduziert und jährlich 200 Milliarden US-Dollar für den Naturschutz mobilisiert werden. Der 22. Mai ist ein wichtiger Erinnerungstag, diese Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Biologische Vielfalt zu schützen bedeutet, die Zukunftsfähigkeit unseres Planeten zu sichern – für uns und für alle kommenden Generationen.

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