Der Simson-Tag am 19. Juli ist ein bundesweiter Aktionstag für alle Fans der legendären DDR-Kultmopeds aus Suhl. Seit 2019 steht dieses Datum im Kalender – als Ehrentag für den Zweitakter, der eine ganze Generation geprägt hat.
Was ist der Simson-Tag?
Die Idee stammt von Henning Liese und Andreas Schlereth aus Lübeck. Die beiden leidenschaftlichen Simson-Fans wandten sich im Spätsommer 2018 an den Betreiber des Kalenders für kuriose Feiertage. Ihr Wunsch: den 19. Juli als bundesweiten Simson-Tag zu etablieren. Seit 2019 ist es so weit.
Das Datum ist kein Zufall. Mitten im Sommer ist es warm genug für Ausfahrten, und viele Jugendliche haben Schulferien. Der Tag soll die Simson-Szene überregional zusammenbringen. Außerdem will er das Kultmoped stärker in die mediale Öffentlichkeit rücken.
Typische Aktionen am Simson-Tag sind gemeinsame Ausfahrten, Treffen von Fan-Clubs, kleine Ausstellungen historischer Modelle und Reparatur-Workshops. Ob als Einzelfahrer, Crew oder organisierter Club – der Tag steht allen offen, die den Zweitakt-Sound lieben.
Simson – eine Marke mit Geschichte
Die Wurzeln der Marke reichen bis ins Jahr 1856 zurück. Damals gründeten die jüdischen Brüder Löb und Moses Simson im thüringischen Suhl einen Betrieb, der sich zunächst der Waffenproduktion widmete. Aus diesem Unternehmen entwickelte sich einer der bedeutendsten Fahrzeughersteller Deutschlands.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb verstaatlicht. Ab 1952 firmierte er als VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Simson Suhl. Er gehörte damit zum Industrieverband Fahrzeugbau der DDR. Die Motorradproduktion überließ man fortan dem MZ-Werk in Zschopau. Simson spezialisierte sich auf Mopeds, Mokicks und Roller – und wurde so zur Volksmarke der DDR.
Ende der 1980er-Jahre beschäftigte das Suhler Werk rund 4.000 Mitarbeiter. Sie fertigten jährlich fast 200.000 Kleinkrafträder. Insgesamt entstanden in Suhl während der DDR-Ära knapp sechs Millionen Zweiräder. Damit ist Simson bis heute der größte Zweiradhersteller Deutschlands.
Die bekanntesten Simson-Modelle
Mit der sogenannten Vogelserie ab 1964 schrieb Simson Zweiradgeschichte. Zur Serie gehörten Modelle wie Spatz, Star, Sperber und Habicht. Sie waren in der DDR allgegenwärtig. Das bekannteste Modell ist jedoch die Schwalbe (KR51).
Der vollverkleidete Kleinroller bot mit seinem tiefen Durchstieg hervorragenden Wetterschutz. Er verkaufte sich über eine Million Mal. Ursprünglich galt die Schwalbe als Frauenmoped. Heute ist sie das Symbol einer ganzen Ära – begehrt im Osten wie im Westen.
Ebenfalls sehr beliebt waren das Kleinkraftrad S 50 (ab 1975) und sein Nachfolger S 51 (ab 1980). Zusammen brachte die Baureihe S 50/S 51 mehr als 1,6 Millionen Exemplare auf die Straße. Ein besonderer Vorteil gilt bis heute: Simson-Mopeds mit Erstzulassung vor dem 28. Februar 1992 dürfen in Deutschland bis zu 60 km/h fahren. Neuere Kleinkrafträder sind auf 45 km/h begrenzt.
Kult statt Schrott – Simson nach der Wende
Nach der Wiedervereinigung brach der Markt für Simson-Fahrzeuge schnell ein. Gebrauchte Mopeds überschwemmten den Markt zu Spottpreisen. Viele Fahrzeuge verschwanden in Scheunen oder gingen verloren. Die Produktion endete 2002 endgültig.
Doch genau dieses Schicksal legte den Grundstein für den Kultstatus der Marke. Wer heute eine gut erhaltene Schwalbe oder eine S51 besitzt, hat ein Sammlerstück. Enthusiasten zahlen mittlerweile bis zu 5.000 Euro für gepflegte Exemplare. Besonders unter Jugendlichen erlebt Simson seit Jahren ein starkes Revival. Zahlreiche Fan-Clubs und aktive Communities auf Social Media halten die Begeisterung lebendig.
So kannst du den Simson-Tag feiern
Der Simson-Tag lebt von der Kreativität seiner Fans. Ideen zum Mitmachen gibt es viele:
- Ausfahrten organisieren: Gemeinsam mit anderen Fans durch Thüringen oder die eigene Region knattern – am liebsten mit dem typischen Zweitakt-Sound.
- Treffen veranstalten: Fan-Clubs und Gruppen nutzen den Tag, um sich zu vernetzen und ihre Fahrzeuge zu zeigen.
- Workshop anbieten: Wer schraubt, kann sein Wissen weitergeben und Einsteigern beim Reparieren helfen.
- Online mitmachen: Fotos und Videos auf Social Media teilen und mit #SimsonTag die Community begeistern.
Wer mehr über die Geschichte der Marke erfahren möchte, findet im Fahrzeugmuseum Suhl und auf simson.de weiteres historisches Material.