Der Navajo Code Talker Tag am 14. August erinnert an eine der faszinierendsten und entscheidendsten Geheimoperationen des Zweiten Weltkriegs. Navajo-Marineangehörige entwickelten einen Sprachcode, den feindliche Kryptoanalysten nie knacken konnten.
Was ist der Nationale Navajo-Codesprecher-Tag?
Präsident Ronald Reagan unterzeichnete am 28. Juli 1982 die Proklamation 4954. Damit erklärte er den 14. August offiziell zum Nationalen Navajo-Codesprecher-Tag. Die Wahl dieses Datums war bewusst: Der 14. August ist der V-J Day – der Tag des Sieges über Japan. Heute erinnert der Aktionstag jährlich an den mutigen Einsatz der Navajo-Männer im Pazifikkrieg.
Die Idee hinter dem Navajo-Code
Philip Johnston war kein Navajo. Er wuchs jedoch als Sohn eines Missionars auf einem Navajo-Reservat auf und sprach die Sprache fließend. 1942 schlug er dem US-Militär vor, die Navajo-Sprache als Grundlage für einen Geheimcode zu nutzen. Der Grund war einfach: Navajo besitzt eine hochkomplexe Grammatik, Tonhöhenunterschiede mit bedeutungsverändernder Funktion und kaum schriftliche Ressourcen. Nur wenige Tausend Menschen weltweit beherrschten die Sprache damals.
Das US Marine Corps griff die Idee auf. Die ersten 29 rekrutierten Navajo-Männer meldeten sich am 4. Mai 1942 in Fort Wingate, New Mexico, zum Dienst. Innerhalb weniger Monate entwickelten und memorierten sie einen Code, den nicht einmal andere Navajo-Muttersprachler entziffern konnten. Ihr erster Kampfeinsatz war die Invasion von Guadalcanal im August 1942.
Wie der Code funktionierte
Der Navajo-Code basierte auf zwei Prinzipien:
- Buchstabencode: Für jeden Buchstaben des englischen Alphabets gab es ein navajosprachiges Wort. Das Wort für „Schildkröte“ (Navajo: chay-da-gahi) stand beispielsweise für den Buchstaben C.
- Direkte Übersetzungen: Militärbegriffe ohne Navajo-Entsprechung wurden bildlich übertragen. Ein U-Boot hieß besh-lo – „Eisenfisch“. Ein Flugzeugträger war ein tsidi-moffa-ye-hi – „schwimmender Vogel“.
Alle Codes lernten die Männer auswendig. Schriftliche Handbücher gab es absichtlich nicht. So konnte der Feind kein gedrucktes Dokument erbeuten.
Ungebrochen bis Kriegsende
Major Howard Connor, Signaloffizier der 5. Marinedivision, sagte nach der Iwo-Jima-Invasion 1945: Ohne die Navajo-Codesprecher hätten die Marines Iwo Jima nicht genommen. Die Code Talker übermittelten im Pazifikkrieg mehr als 800 Nachrichten fehlerfrei. Japanische Kryptoanalysten konnten den Code nie entschlüsseln. Der Navajo-Code gilt bis heute als einziger gesprochener Militärcode in der Geschichte, der ungebrochen blieb.
Die Codesprecher nahmen an jeder Marineoperation im Pazifik von 1942 bis 1945 teil – von Guadalcanal bis Okinawa. Insgesamt dienten rund 400 bis 500 Navajo-Männer als Code Talker.
Jahrelange Geheimhaltung und späte Anerkennung
Das Programm blieb bis 1968 als Verschlusssache klassifiziert. Die Navajo-Codesprecher durften jahrzehntelang niemandem von ihrer Arbeit erzählen – nicht einmal ihren Familien. Erst nach der Freigabe erfuhren Öffentlichkeit und Medien von ihrer Leistung.
Im Jahr 2000 unterzeichnete Präsident Bill Clinton den Honoring the Navajo Code Talkers Act. Das Gesetz ermöglichte die Vergabe der Congressional Gold Medal an die ursprünglichen 29 Code Talker. Präsident George W. Bush überreichte die Medaillen am 27. Juli 2001 in einer Zeremonie in der Capitol Rotunde. Die übrigen Code Talker erhielten Congressional Silver Medals.
Navajo: Eine Sprache, die Weltgeschichte schrieb
Die Navajo sind das größte indigene Volk Nordamerikas. Ihre Eigenbezeichnung lautet Diné, was „das Volk“ bedeutet. Die Navajo-Sprache gehört zur Athabaskan-Sprachfamilie. Ihre ungewöhnliche Struktur – mit tonalen Bedeutungsunterschieden, langen Verbkomplexen und wenig verwandten Sprachen – machte sie zur nahezu perfekten Codierungsgrundlage.
Der Navajo-Codesprecher-Tag ist deshalb auch ein Tag der Spracherhaltung. Viele Navajo-Gemeinschaften setzen sich dafür ein, die Diné-Sprache an jüngere Generationen weiterzugeben.
Wie der Tag gefeiert wird
Der 14. August ist kein gesetzlicher Feiertag in den USA. Arizona erklärte den Tag 2014 per Gesetz zum staatlichen Gedenktag. 2020 unterzeichnete Gouverneur Doug Ducey eine Gesetzgebung, die den Tag in Arizona zum offiziellen Staatsfeiertag erhob.
Gedenkveranstaltungen finden vor allem im Navajo Nation Hauptort Window Rock in Arizona statt. Typische Programmpunkte sind:
- Gedenkzeremonien mit Veteranen und deren Familien
- Gourd-Tänze und kulturelle Darbietungen
- Ausstellungen zur Geschichte der Code Talker
- Vorträge zur Bedeutung der Navajo-Sprache
Wer den Tag aktiv begehen möchte, kann Dokumentationen wie Navajo Code Talkers: The Epic Story (Regie: Allan Silliphant) ansehen oder Bücher zur Geschichte lesen. Museen wie das Navajo Code Talker Museum in Tuba City, Arizona, oder das National WWII Museum in New Orleans bieten weitere Einblicke.