11. September – Tag der Wohnungslosen

Millionen Menschen träumen von einem sicheren Zuhause – für Hunderttausende in Deutschland bleibt das eine ferne Hoffnung. Der Tag der Wohnungslosen wird jährlich am 11. September begangen. Er macht auf die Situation wohnungsloser Menschen aufmerksam und ruft Politik, Gesellschaft und Einzelpersonen zum Handeln auf.

Was ist der Tag der Wohnungslosen?

Der Tag der Wohnungslosen ist ein bundesweiter Aktionstag. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e. V. (BAG W) koordiniert ihn gemeinsam mit Sozialverbänden, Kirchengemeinden und Nichtregierungsorganisationen. Ziel ist es, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Außerdem sollen politische Forderungen sichtbar werden. Das Motto wechselt jedes Jahr und greift aktuelle gesellschaftliche Debatten auf. 2025 lautete es: „Politik in die Pflicht nehmen – Wohnungsnot beenden“.

Wohnungslosigkeit in Deutschland – aktuelle Zahlen

Die Lage ist ernst. Laut dem zweiten Wohnungslosenbericht der Bundesregierung waren Anfang 2024 insgesamt 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos. Davon lebten rund 439.500 Personen in Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe. Weitere rund 60.400 Menschen kamen verdeckt bei Freunden oder Verwandten unter. Etwa 47.300 Personen lebten direkt auf der Straße oder in Behelfsunterkünften.

Zudem sind rund zwei Drittel der Betroffenen männlich. Frauen sind seltener wohnungslos, aber besonders gefährdet für verdeckte Wohnungslosigkeit. Bemerkenswert: Rund 13 Prozent der Klient:innen in der Wohnungsnotfallhilfe sind trotz Wohnungslosigkeit erwerbstätig. Bei nicht-deutschen Klient:innen liegt dieser Anteil sogar bei 20 Prozent.

Wohnungslosigkeit vs. Obdachlosigkeit – ein wichtiger Unterschied

Viele Menschen verwechseln diese beiden Begriffe. Doch der Unterschied ist entscheidend. Wohnungslos ist, wer über keinen Wohnraum verfügt, der durch einen Mietvertrag oder Eigentum abgesichert ist. Das schließt auch Menschen ein, die vorübergehend bei Bekannten schlafen oder in Notunterkünften leben. Obdachlos hingegen bedeutet, gänzlich ohne Unterkunft auf der Straße zu leben. Obdachlose sind also immer auch wohnungslos – aber nicht umgekehrt.

Ursachen von Wohnungslosigkeit

Wohnungslosigkeit entsteht selten durch einen einzigen Grund. Meistens spielen mehrere Faktoren zusammen. Zu den häufigsten Auslösern zählen laut BAG W:

  • Miet- oder Energieschulden
  • Konflikte im Wohnumfeld
  • Trennungs- oder Scheidungssituationen
  • Haftantritt oder Entlassung aus Institutionen
  • Fehlender Einstieg in den Wohnungsmarkt nach dem Auszug aus dem Elternhaus

Dazu kommt ein strukturelles Problem: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Besonders in Großstädten wie Berlin, München oder Frankfurt fehlen günstige Wohnungen. Wer bis zu 30 Prozent seines Einkommens für Miete aufwenden muss, gerät schnell in finanzielle Schieflage. Wohnungslosigkeit ist daher kein individuelles Versagen – sondern auch ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Gesundheit und Wohnungslosigkeit

Wohnungslosigkeit hat schwerwiegende Folgen für die Gesundheit. Betroffene leiden häufiger unter Mehrfacherkrankungen. Medizinische Versorgung bleibt für sie oft unerreichbar – aus Scham, wegen Sprachbarrieren oder fehlender Krankenversicherung. Studien belegen eine deutlich erhöhte Sterblichkeit: Bei wohnungslosen Frauen liegt sie fast zwölfmal höher, bei Männern fast achtmal höher als in der Normalbevölkerung. Das verdeutlicht, wie dringend Unterstützung nötig ist.

Was passiert am Tag der Wohnungslosen?

Deutschlandweit finden am 11. September zahlreiche Aktionen statt. Sozialverbände, Kirchengemeinden und engagierte Bürger:innen organisieren unter anderem:

  • Informationsstände in Fußgängerzonen
  • Filmvorführungen und Podiumsgespräche
  • Stadtführungen zu Orten der Wohnungslosenhilfe
  • Gemeinsame Mahlzeiten für Betroffene
  • Ausstellungen und Workshops

Ziel ist es, Betroffene sichtbar zu machen und Vorurteile abzubauen. Darüber hinaus sollen konkrete politische Forderungen an die Öffentlichkeit gebracht werden.

Politisches Ziel: Wohnungslosigkeit bis 2030 überwinden

Die Bundesregierung hat sich ein klares Ziel gesetzt: Bis 2030 soll Wohnungslosigkeit in Deutschland überwunden werden. Im April 2024 verabschiedete das Bundeskabinett den Nationalen Aktionsplan „Gemeinsam für ein Zuhause“. Dieser Plan bündelt Maßnahmen von Bund, Ländern, Kommunen und der Zivilgesellschaft. Organisationen wie die Diakonie fordern dabei, den Fokus auf bezahlbaren Wohnraum zu legen – nicht nur auf schnellen Wohnungsneubau. Denn es fehlt nicht an teuren Wohnungen, sondern an günstigen, sozialen und gemeinnützigen Wohnplätzen.

Wie kann ich helfen?

Engagement gegen Wohnungslosigkeit beginnt im Kleinen. Hier sind konkrete Möglichkeiten:

  • Spenden an die BAG W oder lokale Wohnungslosenhilfe-Organisationen
  • Ehrenamtlich helfen in Suppenküchen, Tagestreffpunkten oder Beratungsstellen
  • Informieren und sensibilisieren – im Freundeskreis, in der Schule oder am Arbeitsplatz
  • Politisch aktiv werden und Kandidat:innen zu sozialer Wohnungspolitik befragen

Wohnungslosigkeit ist lösbar. Doch dafür braucht es Engagement auf allen Ebenen – politisch und persönlich.

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