6. Juni – Sehbehindertentag

Der Sehbehindertentag findet jährlich am 6. Juni statt – und das Datum hat einen guten Grund. Die Zahl 66 erinnert symbolisch an das Bild einer Brille. Seit 1998 setzt sich dieser Aktionstag für die Belange sehbehinderter Menschen in Deutschland ein. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) hat ihn ins Leben gerufen und prägt ihn bis heute.

Was ist der Sehbehindertentag?

Der Sehbehindertentag ist ein bundesweiter Aktionstag mit wechselndem Jahresmotto. Themen der vergangenen Jahre waren zum Beispiel barrierefreies Einkaufen, Sehbehinderung im Alter oder der schwierige Umgang mit Touchscreens im Alltag. Jedes Jahr koordiniert der DBSV gemeinsam mit seinen 20 Landesvereinen und über 250 Beratungsstellen Veranstaltungen in ganz Deutschland. Ziel ist es, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und politische Entscheidungsträger zum Handeln zu bewegen.

Die Geschichte des Sehbehindertentags

Die Geschichte beginnt im Jahr 1998. Der damalige Deutsche Blindenverband erweiterte seine Satzung und nahm sehbehinderte Menschen offiziell auf. Gleichzeitig benannte er sich in „Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband“ um. Noch im selben Jahr rief er zusammen mit drei korporativen Mitgliedern zu bundesweiten „Sehbehindertenaktionstagen“ auf. Die ersten Veranstaltungen fanden am 5. und 6. Juni 1998 in Bonn statt – der Grundstein für den heutigen Sehbehindertentag war damit gelegt.

Das Datum 6.6. ist dabei kein Zufall. Die Zahlenfolge 66 erinnert spielerisch an das Bild einer Brille – ein einfaches, aber einprägsames Symbol für das Anliegen des Aktionstags.

Sehbehinderung in Deutschland – Zahlen und Fakten

Laut einer Hochrechnung auf Basis von Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben in Deutschland mehr als eine Million Menschen mit einer Sehbehinderung. Viele meistern ihren Alltag trotz erheblicher Einschränkungen – doch unnötige Barrieren machen das Leben schwerer als nötig. Mit steigendem Lebensalter wächst das Risiko für Augenerkrankungen deutlich. Früherkennung ist daher ein zentrales Anliegen des DBSV.

Zu den häufigsten Ursachen einer Sehbehinderung zählen:

  • Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) – die häufigste Ursache für schwere Sehverluste in Deutschland
  • Grüner Star (Glaukom) – schleichender Sehverlust durch erhöhten Augeninnendruck
  • Diabetische Retinopathie – eine Folgeerkrankung von Diabetes mellitus

Was hat der Sehbehindertentag bisher bewirkt?

Der Sehbehindertentag ist mehr als symbolische Bewusstseinsarbeit – er hat konkrete Ergebnisse gebracht. Ein wichtiges Beispiel ist die Norm DIN 32975, für die der DBSV viele Jahre kämpfte. Sie legt fest, wie Betreiber visuelle Informationen im öffentlichen Raum gestalten müssen – etwa an Aufzügen, Automaten und Orientierungssystemen.

Auch bei der Krankenversicherung erzielte der DBSV einen Erfolg. Seit 2017 übernehmen Krankenkassen bei starker Kurz- oder Weitsichtigkeit ab mehr als 6 Dioptrien die Kosten für Sehhilfen. Bei Hornhautverkrümmung gilt dies ab mehr als 4 Dioptrien. Zudem entstand das bundesweite Beratungsangebot „Blickpunkt Auge“, das sehbehinderte Menschen wohnortnah und qualifiziert unterstützt.

Wie kann ich den Sehbehindertentag unterstützen?

Unterstützung muss nicht groß sein, um zu wirken. Es gibt viele Wege, aktiv mitzumachen:

  • Informationen über Sehbehinderungen im eigenen Umfeld teilen und Aufklärung leisten
  • An lokalen Aktionen und Veranstaltungen rund um den 6. Juni teilnehmen
  • Den DBSV oder regionale Vereine finanziell oder ehrenamtlich unterstützen
  • Im eigenen Alltag auf barrierefreie Gestaltung achten – bei Schriftgröße, Kontrasten und digitalen Angeboten

Nämlich kleine Veränderungen können für Menschen mit Seheinschränkungen einen großen Unterschied machen.

Sehbehindertentag und Inklusion – ein gemeinsames Ziel

Inklusion bedeutet mehr als Barrierefreiheit. Sehbehinderung ist zudem sehr individuell: Manche sehen verschwommen, andere verlieren ihr seitliches Gesichtsfeld, wieder andere leiden unter starker Blendempfindlichkeit. Ein pauschaler Umgang ist daher nicht möglich – und genau deshalb ist gezielte Aufklärung so wichtig.

Der Sehbehindertentag erinnert uns jährlich daran: Eine inklusive Gesellschaft entsteht nicht von allein. Sie braucht aktive Gestaltung – und den Mut hinzusehen, auch wenn man selbst gut sieht.

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