27. Januar – Gedenktag für die Opfer des Holocaust

Der 27. Januar steht für eines der wichtigsten Daten im kollektiven Gedächtnis der Menschheit. An diesem Tag erinnert die Welt an die Millionen Opfer des Holocausts – und an die Pflicht, dieses Erinnern lebendig zu halten. Der Gedenktag für die Opfer des Holocaust mahnt uns, wachsam zu bleiben: gegenüber Hass, Diskriminierung und dem Vergessen.

Geschichte und Ursprung des Gedenktags

Deutschland begann als eines der ersten Länder, diesen Tag offiziell zu begehen. Bundespräsident Roman Herzog rief den 27. Januar 1996 zum nationalen Gedenktag aus. Zehn Jahre später folgte die internationale Gemeinschaft: Die Vereinten Nationen beschlossen am 1. November 2005 mit Resolution 60/7 die weltweite Ausrufung des Internationalen Holocaust-Gedenktags. Das Datum ist kein Zufall – es erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Truppen am 27. Januar 1945.

Der Holocaust – ein Verbrechen ohne Beispiel

Der Holocaust war die systematische, staatlich organisierte Verfolgung und Ermordung von Juden durch das NS-Regime und seine Kollaborateure. Zwischen 1941 und 1945 wurden rund sechs Millionen jüdische Menschen ermordet – etwa zwei Drittel der europäischen jüdischen Bevölkerung. Weitere Opfergruppen umfassten Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, politische Gegner, Homosexuelle sowie sowjetische Kriegsgefangene und polnische Zivilisten. Der Begriff „Holocaust“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „vollständiges Brandopfer“. Im Hebräischen trägt dieses Ereignis den Namen Shoah – „Katastrophe“.

Auschwitz-Birkenau – Symbol des Grauens

Kein Ort steht symbolischer für den industriellen Massenmord des NS-Regimes als Auschwitz-Birkenau. Das Lagerkomplex im besetzten Polen war das größte nationalsozialistische Vernichtungslager. Nach Angaben der Gedenkstätte Auschwitz wurden dort mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet – darunter rund eine Million Juden sowie Sinti und Roma, polnische Zivilisten und sowjetische Kriegsgefangene. Die Befreiung am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee offenbarte der Welt das volle Ausmaß dieser Verbrechen. Heute ist Auschwitz-Birkenau eine UNESCO-Welterbestätte und Gedenkstätte für die Opfer.

Gedenken in Deutschland

In Deutschland nimmt der 27. Januar einen besonderen Stellenwert ein. Der Deutsche Bundestag hält alljährlich eine zentrale Gedenkstunde ab – oft mit Überlebenden oder deren Nachkommen als geladenen Gästen. Schulen, Kirchen, Kommunen und zivilgesellschaftliche Organisationen gestalten eigene Veranstaltungen. Gedenkgänge, Kranzniederlegungen und Lesungen finden bundesweit statt. Besonders die Initiative „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig macht das Erinnern sichtbar: Kleine Messingtafeln im Bürgersteig erinnern an Deportierte direkt vor ihren einstigen Wohnhäusern.

Wie wird der 27. Januar weltweit begangen?

Weltweit organisieren Regierungen, Museen und Bildungseinrichtungen Gedenkveranstaltungen. Yad Vashem, die israelische Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, ist eines der bedeutendsten Zentren des internationalen Gedenkens. In vielen Ländern finden Filmvorführungen, Ausstellungen, Konzerte und Zeitzeugengespräche statt. Die Vereinten Nationen veranstalten in New York eigene Zeremonien. Auch digitale Formate gewinnen an Bedeutung: Online-Archive, virtuelle Touren und Social-Media-Aktionen erreichen jüngere Generationen auf neuen Wegen.

Warum Erinnern so wichtig ist

Die Zahl der lebenden Holocaust-Überlebenden sinkt von Jahr zu Jahr. Damit wächst die Verantwortung der Gesellschaft, ihre Zeugnisse zu bewahren. Erinnern bedeutet Verantwortung – für die Gegenwart und die Zukunft. Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit sind keine Erscheinungen der Vergangenheit. Der Gedenktag für die Opfer des Holocaust ist deshalb kein historisches Ritual, sondern ein lebendiger Auftrag: Nie wieder.

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