Mehr als 2.100 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an den Folgen ihres Drogenkonsums. Hinter jeder dieser Zahlen steckt ein Mensch mit einer Geschichte, einer Familie und einem Leben. Der Tag für verstorbene Drogenabhängige am 21. Juli gibt diesen Menschen ein Gesicht – und schafft Raum für Trauer, Erinnerung und politischen Protest.
Wie der Gedenktag entstand
Der Ursprung des Gedenktags liegt in einer persönlichen Tragödie. Am 21. Juli 1994 starb der junge Drogengebraucher Ingo Marten in Gladbeck unter ungeklärten Umständen. Seine Mutter Karin Stumpf ließ nicht locker: Mit großem persönlichem Einsatz und Unterstützung der Stadt Gladbeck schuf sie die erste Gedenkstätte für verstorbene Drogenabhängige in Deutschland. Aus dieser privaten Initiative wurde eine Bewegung.
Der Landesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit NRW e.V. rief 1998 erstmals offiziell zum Gedenktag auf. Die erste Veranstaltung fand am 21. Juli 1998 in Gladbeck statt – genau an jenem Ort, der für so viele Familien zur Stätte des Gedenkens geworden war. Der JES Bundesverband (Junkies, Ehemalige und Substituierte) sowie weitere Organisationen schlossen sich in den Folgejahren an.
Aktuelle Zahlen: Die Lage in Deutschland
Die Statistiken zeigen ein erschreckendes Bild. Im Jahr 2024 starben laut Bundeskriminalamt 2.137 Menschen in Deutschland an den Folgen ihres Konsums illegaler Drogen. Im Vorjahr 2023 waren es sogar 2.227 Todesfälle – der höchste je erfasste Wert. Besonders alarmierend: Die Zahl der Todesfälle bei jungen Konsumierenden unter 30 Jahren stieg zuletzt um 14 Prozent.
Heroin und Morphin gelten weiterhin als die häufigsten Todesursachen. Doch Mischkonsum wird zum wachsenden Problem: In zwei Dritteln aller Drogentodesfälle ist mehr als eine psychoaktive Substanz nachgewiesen worden. Synthetische Opioide und neue psychoaktive Stoffe verstärken das Risiko zusätzlich. Hinzu kommen indirekte Todesfolgen – etwa durch Infektionskrankheiten wie Hepatitis C, bei der intravenöser Drogenkonsum für rund 75 Prozent aller Neuinfektionen in Deutschland verantwortlich ist.
Was am 21. Juli passiert
Der Tag für verstorbene Drogenabhängige ist heute Deutschlands größter Aktions-, Trauer- und Präventionstag im Bereich illegaler Drogen. Rund 350 Organisationen und Initiativen beteiligen sich bundesweit. In über 100 Städten finden Mahnwachen, Gottesdienste, Infostände und Gedenkveranstaltungen statt.
Der Tag verbindet Trauer mit politischem Anspruch. Angehörige, Freunde und Fachkräfte aus der Drogenhilfe nutzen den 21. Juli gemeinsam als Plattform. Sie fordern bessere Versorgung, mehr Überlebenshilfen und eine humane Drogenpolitik. Der symbolische Sarg – jahrelang Mittelpunkt vieler Gedenkveranstaltungen – steht dabei für die Sichtbarkeit jener, die die Gesellschaft oft übersieht.
Internationale Reichweite
Was in Gladbeck begann, hat inzwischen internationale Ausstrahlung. Gedenkveranstaltungen am 21. Juli finden heute auch in Spanien, Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien, Kanada, Australien und Schweden statt. Damit entwickelt sich der Gedenktag schrittweise zu einem weltweiten Zeichen der Solidarität mit Betroffenen und ihren Familien.
So kannst du dich beteiligen
Jeder Mensch kann am Tag für verstorbene Drogenabhängige etwas beitragen – unabhängig davon, ob jemand selbst betroffen ist oder nicht. Möglichkeiten zur Teilnahme gibt es viele:
- Eine Gedenkveranstaltung in der eigenen Stadt besuchen (Termine unter gedenktag21juli.de)
- Lokale Organisationen der Drogenhilfe unterstützen oder auf ihre Arbeit aufmerksam machen
- In sozialen Netzwerken über den Gedenktag informieren und Stigmatisierung entgegenwirken
- Sich über Suchtprävention und Hilfsangebote informieren – für sich selbst oder für nahestehende Menschen
Gedenken als gesellschaftliche Aufgabe
Der Tag für verstorbene Drogenabhängige erinnert daran, dass Sucht keine Frage des Charakters ist. Sie trifft Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft. Wer verstorben ist, hinterlässt Eltern, Kinder, Geschwister und Freunde. Das Gedenken am 21. Juli macht deutlich: Diese Menschen verdienen Würde – im Leben und im Tod. Engagement gegen Stigmatisierung und für bessere Hilfsangebote ist keine Randaufgabe. Es ist gesamtgesellschaftliche Verantwortung.