2. Juni – Welthurentag

Welthurentag – hinter diesem provokanten Namen steckt ein ernstes politisches Anliegen: der weltweite Kampf für die Rechte von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern. Jedes Jahr am 2. Juni erinnert der Gedenktag an einen historischen Protest, der die Hurenbewegung ins Leben rief.

Ursprung: Eine Kirche als Bühne des Protests

Der Welthurentag hat seinen Ursprung in Frankreich. Am 2. Juni 1975 besetzten mehr als 100 Prostituierte die Kirche Saint-Nizier in Lyon. Sie wollten damit auf ihre untragbaren Lebens- und Arbeitsbedingungen aufmerksam machen. Zwei Kolleginnen waren zuvor ermordet worden. Die Regierung reagierte nicht auf ihre Hilferufe.

Die Frauen traten in den Streik und hielten die Kirchenbesetzung acht Tage lang aufrecht. Dann räumte die Polizei das Gebäude – mit brutaler Gewalt. Dennoch blieb der Protest nicht ohne Wirkung. Er gilt heute als Geburtsstunde der internationalen Hurenbewegung.

Seit 1976 wird der 2. Juni daher jährlich als Internationaler Hurentag begangen. In Deutschland rief die Kommunikationswissenschaftlerin Laura Méritt den Aktionstag erstmals 1989 aus.

Worum geht es beim Welthurentag?

Der Welthurentag steht für Anerkennung, Schutz und Selbstbestimmung. Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter fordern an diesem Tag öffentlich ihre Grundrechte ein – dazu gehören Sicherheit am Arbeitsplatz, Zugang zu Gesundheitsversorgung und der Schutz vor Gewalt und Diskriminierung.

Folgende Ziele stehen im Mittelpunkt des Aktionstags:

  • Entkriminalisierung: Sexarbeit soll rechtlich so geregelt sein, dass Sexarbeiter*innen nicht im Verborgenen arbeiten müssen.
  • Bekämpfung von Stigmatisierung: Gesellschaftliche Vorurteile erschweren den Alltag von Sexarbeiter*innen erheblich.
  • Stärkung von Interessenvertretungen: Organisationen wie der BesD (Berufsverband Sexarbeit Deutschland) setzen sich aktiv für bessere Rahmenbedingungen ein.
  • Schutz vor Gewalt: Wer im Verborgenen arbeitet, ist schutzloser – das zeigen Zahlen und die Geschichte gleichermaßen.

Welthurentag in Deutschland

Deutschland gehört zu den Ländern, in denen Sexarbeit gesetzlich geregelt ist. Das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) von 2017 verpflichtet Sexarbeiter*innen zur Anmeldung und zu regelmäßigen Beratungsgesprächen. Befürworter*innen sehen darin mehr Schutz. Kritikerinnen und Kritiker hingegen warnen vor weiterer Stigmatisierung.

Rund um den 2. Juni finden in deutschen Städten Demonstrationen und Veranstaltungen statt. Bekannt ist zum Beispiel die jährliche „Whores‘ Parade“ in Berlin. Dort marschieren Sexarbeitende und ihre Unterstützer*innen gemeinsam gegen Diskriminierung.

Hintergründe und gesellschaftliche Debatte

Sexarbeit bleibt ein gesellschaftlich polarisierendes Thema. Auf der einen Seite stehen Stimmen, die Sexarbeit als legitime Erwerbsarbeit betrachten. Auf der anderen Seite gibt es Forderungen nach dem sogenannten Nordischen Modell – dabei wird nicht die Sexarbeitende, sondern der Freier bestraft.

Der Welthurentag stellt sich bewusst auf die Seite der Betroffenen selbst. Denn wer über Sexarbeit diskutiert, sollte zunächst auf die hören, die sie ausüben. Das ist die Kernbotschaft dieses Gedenktags.

So kannst du den Welthurentag unterstützen

Unterstützung ist auf verschiedenen Wegen möglich:

  • Informieren: Beratungsstellen wie Hydra in Berlin oder Madonna in Bochum bieten umfangreiche Informationen zur Situation von Sexarbeiter*innen.
  • Spenden: Viele Organisationen sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen.
  • Aufklärung teilen: Wer über den Ursprung und die Ziele des Welthurentags spricht, trägt zur Entstigmatisierung bei.
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